Waldkindergarten Klein Hundorf

Arbeitspferde auf der Weide

Konzept

Mehr Matsch! – so heißt ein provokanter Buchtitel von Andreas Weber*. Eine Horrorvorstellung für viele Eltern! „Hilfe, mein Kind macht sich dreckig. Und was soll es schon lernen, wenn es nur im Wald herumgammelt? Ich wünsche mir anständiges Spielzeug für mein Kind und eine vernünftige Förderung!“ – so lauten oft die Argumente. Doch was viele nicht wissen: Die Natur als Lehrerin hat viele Vorteile. Das haben inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen.

Wir fragen uns: Was brauchen unsere Kinder von uns, was erwartet sie in 20 Jahren? Vor allem brauchen sie Wurzeln, eine Verankerung im Leben – in ihrer Heimat, der Natur. Sie ist der Ursprung von Körper und Seele.

Doch viele Kinder sind heutzutage der Natur entfremdet, denn sie lernen die Natur mehr durch Fernsehen oder den Computer kennen als durch eigene Sinneserfahrungen draußen im Grünen. Ohne Nähe zu Pflanzen und Tieren – so Andreas Weber – verkümmert jedoch ihre emotionale Bindungsfähigkeit. Empathie, Phantasie, Kreativität und Lebensfreude verschwinden. Nur im Kontakt mit der Natur entfalten sich seelische, körperliche und geistige Potenziale, die Kinder zu erfüllten Menschen werden lassen. Im Waldkindergarten ist dies möglich: Die Kinder können mit allen Sinnen die Natur erleben und sich in der Natur zu Hause fühlen.

Die Natur bietet den Kindern ein breites Feld an unmittelbaren Lebenserfahrungen und hilft ihnen bei der Stärkung ihrer Basiskompetenzen. Strukturierendes Element in diesem Raum ohne Wände und Türen ist der jahreszeitliche Rhythmus, das unmittelbare Erfahren des Lebenskreislaufes.

VORTEILE:

Kinder in einem Waldkindergarten

  • be-greifen die Zusammenhänge in der Natur und den Umgang mit ihr selbst intensiv
  • nehmen die Natur in ihrem Jahresverlauf unmittelbar mit allen Sinnen wahr
  • können ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben
  • sind gesundheitlich stabiler, da der lange Aufenthalt im Freien das Immunsystem stärkt und Fettleibigkeit vorbeugt
  • haben weniger Unfälle, da die Bewegung in unwegsamen Gelände den Bewegungsapparat schult, ein gutes Körpergefühl und die Feinmotorik unterstützt
  • sind weniger lärm- und damit auch weniger stressbelastet als in geschlossenen Räumen
  • haben nicht mit Reizüberlastung zu kämpfen
  • fördern sowohl ihre Phantasie und Kreativität als auch ihre Sprachentwicklung durch das Spielen mit natürlichen Materialien
  • erleben sich handelnd und erleben die direkten Auswirkungen ihres Handeln in realen Situationen
  • bekommen das Gefühl, gebraucht zu werden und lernen Verantwortung zu übernehmen
  • entwickeln ein hohes Maß an sozialer Kompetenz, Kooperationsbereitschaft und Fähigkeit zur friedlichen Konfliktlösung

Sind Kühe lila?

Vielen Erwachsenen und somit auch vielen Kindern ist der Bezug zur Landwirtschaft, der Produktion von Nahrungsmitteln und Ernährung verloren gegangen. Dem wirkt der Waldkindergarten entgegen, da er ein Teil der Dorfgemeinschaft Klein Hundorf ist, in der ökologische Landwirtschaft betrieben wird. Die Kinder werden zu besonderen Anlässen in die Arbeitsabläufe einbezogen. Sie helfen im Garten und auf dem Acker, erleben die Arbeitspferde bei der Kartoffelernte oder beim Heumachen, füttern Hühner, pressen Apfelsaft und sehen, wie die Bienen Honig sammeln.

Die eigene Ernte wird selbst verarbeitet und genossen. Einmal die Woche wird mit den Kindern über dem Lagerfeuer oder auf dem Ofen selbst gekocht und so mit Fantasie und Kreativität Lust auf abwechslungsreiche, gesunde Ernährung gemacht.

Gelebter Umweltschutz?

Im Waldkindergarten wird ein Grundstein für die Naturverbundenheit der Kinder gelegt und somit eine Basis für späteres nachhaltiges Handeln. Wir wollen dort ansetzen wo Lernen am nachhaltigsten ist – im Herzen. Denn viel wird heute für den Umwelt- und Naturschutz getan, doch wir ändern oft nicht unser Verhalten – trotz geändertem Problembewusstsein. Nur was man liebt ist man bereit zu schützen und zu bewahren. Deshalb wird auch nachhaltiges, ökologisches, ressourcenschonendes Handeln vom Herzen, von Gefühlen und Gewohnheiten gesteuert.

Fühlen sich die Kinder als Teil der Natur und als Teil der natürlichen Kreisläufe von Werden und Vergehen ist ein Grundstein für ihre Bereitschaft gelegt, mit unseren natürlichen Ressourcen schonend umzugehen.

Erzähle es mir – und ich werde es vergessen
Zeige es mir – und ich werde mich erinnern
Lasse es mich tun – und ich werde es behalten

Konfuzius

Buchtipp:
* Mehr Matsch! Kinder brauchen Natur – Andreas Weber, 2011, ISBN 978-3550088179